Gefahrstofflager der Firma PLG in Elbe soll massiv erweitert werden

Gefahrstofflager der Firma PLG in Elbe soll massiv erweitert werden

BürgerInnen machen auf Bedrohung durch Überschwemmung aufmerksam

(harz-infos) Bislang wissen nur wenige AnwohnerInnen der umliegenden Gemeinden, dass in ihrer Nähe Gefahrstoffe gelagert und umgeschlagen werden. Inzwischen handelt es sich etwa um mehr als 200 t akut und chronisch wassergefährdender Stoffe, die bei PLG Platz finden. Das Lager soll nun jedoch massiv erweitert werden. Künftig sollen bis zu 7.200 t gefährlicher Stoffe in den bestehenden Hallen eingelagert werden. Darunter feste und flüssige akut und chronisch gewässergefährdender Stoffe der höchsten Gefahrenklassen sowie akut toxische Stoffe.

Über die öffentliche Bekanntmachung durch das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig wurden AnwohnerInnen und BürgerInnen der Gemeinden Elbe und Baddeckenstedt auf die geplante Erweiterung aufmerksam. Ihre Besorgnis steigt, denn der Hengstebach ist ein Zufluss der Innerste und bei Hochwasser von Überflutung und Rückstau betroffen.

Der Hengstebach ist in den vergangenen Jahren mehrfach über die Ufer getreten und hat großflächige Überschwemmungen verursacht, so im Gewerbegebiet „Am Park“ und im weiteren Verlauf auch an den Hauptverkehrswegen in Baddeckenstedt (u. a. an der B 6 und der Lindenstraße) – betroffen waren die dort angesiedelten Gewerbebetriebe sowie Wohnhäuser. Dies war zuletzt in den Jahren 2007, 2013 und 2017 der Fall. Ein Einschreiten der Feuerwehr sowohl im Gewerbegebiet „Am Park“ als auch an einigen anderen Stellen im Gemeindegebiet bei diesen Ereignissen war nötig.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist auf die regionale Hochwasserlage ebenfalls aufmerksam geworden und hat den Bereich Hengstebach als Überschwemmungsgebiet ermittelt und gesichert. Ein Hochwasseralarmpunkt Hengstebach ist in Planung.

AnliegerInnen der nah gelegenen Straße „Im Park“, in Fließrichtung am Hengstebach gelegen, sowie beunruhigte BürgerInnen der Gemeinden Elbe und Baddeckenstedt haben nun Widersprüche gegen die Erweiterung des Gefahrstofflagers an dieser heiklen Stelle eingereicht. Ein Grund dafür ist die Gefährdung des Trinkwassers – die AnliegerInnen der Straße „Im Park“ sind nicht an das öffentliche Trinkwassersystem angeschlossen, sondern verfügen noch über eigene Trinkwasserbrunnen, die im Falle austretender, wassergefährdender Stoffe verunreinigt werden könnten und dann nicht mehr nutzbar wären.

Die ersichtlichste Gefahr geht vor allem von schweren Überschwemmungen aus, wie sie in den letzten Jahren an dieser Stelle vermehrt aufgetreten sind. Auf dem Firmengelände können vier Tauchpumpen in Betrieb genommen werden, um stehendes Wasser zu entfernen. Die Lagerhallen sind außen von einem ein Meter hohen Schutzwall vor dem Wasser des Hengstebachs geschützt. Der Wall reicht jedoch aus technischer Sicht nicht für den Hochwasserschutz aus, zu diesem Schluss kommt man auch im Genehmigungspapier des Gewerbeaufsichtsamts – ein Hochwasserschutzkonzept der Firma, das bislang jedoch noch nicht vorliegen muss, werde jedoch ausreichend sein.

Es stellt sich die Frage, warum die Lagerung wassergefährdender Stoffe ausgerechnet in einem von Überflutungen betroffenen Gebiet überhaupt genehmigt worden ist und in noch viel größerer Kapazität genehmigt werden sollte?

Wenig Gedanken scheint man sich in diesem Zusammenhang auch über die Zuwegung zur Firma gemacht zu haben. Ein Unfall mit den zu- und abfahrenden Gefahrstoff-Transportern auf der schmalen, für LKW nur einspurig befahrbaren Zufahrtstraße „Am Park“ mit engem Kurvenverlauf kann eine unmittelbare Gefahr für das Fließgewässer durch austretende gefährliche Substanzen darstellen. Denn der Verkehr mit Gefahrstoffen auf der Elber Straße und dem Zufahrtsweg „Am Park“ wird mit einer Vervielfachung der Lagerkapazität für hochgefährliche Stoffe wesentlich zunehmen.

Die Natur und der Umweltschutz spielen eine wesentliche Rolle in dieser Region. Im weiteren Verlauf fließt der Hengstebach in die Innerste, die das weitgestreckte Naturschutzgebiet Mittlere Innerste mit Kanstein durchfließt, das im weiteren Verlauf auch ausgewiesenes europäisches Vogelschutzgebiet ist. Gemeinsam mit ihrem Nebenfluss Nette umfließt die Innerste die Derneburger Teiche, die ein Lebensraum für seltene und gefährdete Vogelarten und mit dem Laves-Pfad auch gartenhistorisch von Interesse sind, und setzt ihren Lauf bis zur Mündung in die Leine Richtung Hannover fort.

Bislang scheint der Vergrößerung der Firma PLG in Elbe von öffentlicher Seite wenig in den Weg gestellt zu werden. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung wurde, selbst nach mehreren Hochwasserereignissen und mit der geplanten massiven Erweiterung nicht gefordert, was völlig unverständlich ist. Gegen den Genehmigungsbescheid nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz können Bürgerinnen und Bürger noch bis zum 15. Juli 2021 beim Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig einen begründeten Widerspruch einlegen.

Die betroffenen Bürgerinnen und Bürger vor Ort haben die anerkannten Umweltverbände BUND und NABU um Beratung und Unterstützung gebeten.

Quelle & Bild: BUND und NABU, 06.07.2021

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